Meldung: “Schulen sind kein Ort der Bestrafung” – Widerstand gegen “Auszeit-Klassen”

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Düsseldorf – Notorische Störer beeinträchtigen den Unterricht und hindern andere Kinder am Lernen. In Österreich sollen deshalb sogenannte “Time Out”-Klassen eingeführt werden. In NRW regt sich bereits jetzt Widerstand gegen eine Einführung dieses Models.

NRW-Schulministerin Yvonne Neubauer hält nichts von "Time Out"-Klassen.
NRW-Schulministerin Yvonne Neubauer hält nichts von “Time Out”-Klassen.

“Schulen sind Orte des Miteinanders und des Erziehens und kein Ort der Bestrafung.” Dies sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (52) am Montag gegenüber der DPA. Deshalb halte man vonseiten des Schulministeriums nichts von dem österreichischen Model der sogenannten “Time Out”-Klassen.

Danach sollten Kinder die dauerhaft den Unterricht stören in spezielle “Auszeit”-Klassen gesteckt werden. Dort würden sie bis zu einem Monat von Sonderpädagogen unterrichtet werden.

In weniger schlimmen Fällen könnten Kinder auch für den Rest der Schulstunde oder des Schultages in “Abkühlungsräume” verwiesen werden.

“Probleme kann man nicht einfach Wegsperren”, so die Meinung Gebauers. Es gäbe genug andere Möglichkeiten Störer zu sanktionieren. So reichen die Möglichkeiten von schriftlichen Verweisen über den Wechsel in Parallelklassen bis hin zum zwei bis drei Wochen andauernden Ausschluss vom Unterricht und allen Schulveranstaltungen.

In letzter Konsequenz drohe zudem der kategorische Ausschluss von allen öffentlichen Schulen des Landes.

Wer stört, soll eine Auszeit bekommen. (Symbolbild)
Wer stört, soll eine Auszeit bekommen. (Symbolbild)

Einige Schulen in NRW erproben derzeit ein Konzept von “Trainingsräumen” in die Problemfälle verwiesen werden können. Dort dürften Schüler mit pädagogischer Begleitung über ihr Verhalten nachdenken.

Gegenüber solchen Modellen regt sich auch von Elternseite aus Widerstand. Jutta Löcher, die Vorsitzende der Landeselternschaft der Gymnasien NRW, dem größten Elternverband des Landes, äußerte sich gegenüber der DPA skeptisch.

“Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, in NRW Time-Out-Klassen oder das Trainingsraum-Modell einzuführen, sollte sich fragen lassen, wo die Ursachen des Schülerverhaltens liegen und hieran arbeiten.”

Es würden, so Löcher, nur Symptome aber nicht Ursachen bekämpft. Die Lösung liege darin dem Lehrermangel entschieden entgegenzugehen und neben mehr Lehrern auch Schulpsychologen und Sozialarbeiter einzustellen.

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) sieht die “Time Out”-Klassen ebenfalls nur als Ergebnis einer unzureichenden Personalpolitik. VBE-Landeschef Stefan Behlau stellte gegenüber der DPA fest: “Statt Notpflaster zu verteilen, sollte Vorbeugung eine Selbstverständlichkeit sein.”

Auf Anfrage, ob man den Lehrermangel nicht mit Seiteneinsteigern entgegentreten könne, hieß es gegenüber TAG24 aus dem NRW-Schulministerium, dass das Ministerium neue Lehrerstellen anhand der aktuellen Schülerzahlen zur Verfügung stelle. Die Schulen entschieden dann selbst, ob diese Stellen für Seiteneinsteiger geöffnet würden.

Das Schulgesetz gibt zwar genaue Schüler-Lehrer Quoten an. So sollen es zwischen 22 (Grundschule) und 13 (Sekundardstufe II) sein. Diese Quoten können bei dem vorherrschenden Lehrermangel jedoch nicht erreicht werden.

Dem Problem der störenden Kinder will das Ministerium nun mit einem Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen entgegentreten. Das Konzept sieht neben der Einstellung geschulten Personals auch einen Notfallordner für die Schulen vor, in dem Handlungsempfehlungen für verschiedene Krisen zu finden sein sollen.

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