Wie Geier sich gegenseitig als Führer durch den turbulenten Himmel benutzen.

Wie würdest du dich durch einen Raum bewegen, wenn du die Hindernisse vor dir nicht sehen kannst? Zum Beispiel, wie würdest du deinen Weg aus einem Labyrinth finden, wenn du mit verbundenen Augen unterwegs wärst? Du könntest entweder deine anderen Sinne, wie z.B. Berührung, benutzen, um deinen Weg nach draußen zu finden – oder noch besser, du könntest jemanden finden, der den Weg nach draußen sehen kann, um dich zu leiten. Aber so oder so braucht man Informationen.

Bei Vögeln können nicht-visuelle Informationen die gleiche Hilfshand beim Fliegen bieten. Auch wenn sie die Welt um sich herum sehen können, ist die Luft eine dynamische, unsichtbare Umgebung – und der Luftstrom ist eine viel komplexere Umgebung als der Boden mit seinen statischen Hindernissen.

Stellen Sie sich vor, Sie hängen an einem Gleitschirm und rasen zu einer Ziellinie. Man sieht zwei weitere Gleitschirme vor sich, der eine sieht aus, als hätten sie eine ruhige Fahrt und bewegen sich schnell, der andere sieht aus, als wären sie in Schwierigkeiten und hätten Schwierigkeiten, ihren Gleitschirm zu kontrollieren. Du würdest dich dafür entscheiden, dem ersten zu folgen, oder? Indem du die anderen Piloten um dich herum beobachtest und in Übereinstimmung mit dem, was mit ihnen passiert, reagierst, nutzt du Informationen, die dir helfen, eine gute Entscheidung zu treffen und mit dem Rennen Schritt zu halten. Ebenso ist es sinnvoll, dass ein Tier dasselbe tut, um sich durch seine Umgebung zu bewegen – und dabei diejenigen um sich herum zu beobachten, die das gleiche Ziel haben.

Segelfliegende Vögel bewegen sich nicht nur durch die Luft, sie verlassen sich auch auf Aufwinde, wie z.B. die Thermik (eine Säule aus warm aufsteigender Luft), um Auftrieb zu gewinnen, anstatt mit den Flügeln zu schlagen. Es ist ein bisschen wie ein großes Spiel von unsichtbaren Schlangen und Leitern – aber die Kosten für das Rutschen bis zum Anschlag, ohne die nächste Leiter zu finden, sind hoch. Sie müssen die nächste Leiter erreichen, bevor sie den Boden berühren. Wie die Segelflugzeuge teilen sich Vögel, die auf das Segelfliegen angewiesen sind – einschließlich Geier – oft die Luft mit anderen Vögeln. Aber bisher wussten wir nicht, ob sich Segelflugvögel tatsächlich gegenseitig beobachten, um diese unsichtbaren Wärmeleitern zu „sehen“.

Unsichtbare Leitern

Für unsere kürzlich veröffentlichte Studie haben wir ein Experiment entworfen, das diese Idee testen würde. Wir verfolgten die Bewegungen jedes Vogels in einer kleinen Gruppe von Geiern in einem Greifvogelzentrum in den Bergen Frankreichs und registrierten ihr Verhalten. Nur durch den Einsatz modernster Tagging-Technologie konnten wir dieses Konzept untersuchen. Jeder Vogel hatte einen Rucksack mit einem GPS-Logger, einem Bewegungslogger und einer Kamera, die alle Aspekte seiner Bewegung aufzeichnete. Im Bewegungslogger befanden sich eine Reihe von Sensoren, die auf verschiedene Bewegungsarten reagieren – ein Beschleunigungssensor zum Erfassen von Flügelschlägen, ein Magnetometer für Richtungsänderungen und ein Luftgeschwindigkeitssensor.

Es gibt eine bekannte Theorie des Luftfahrtingenieurs Paul MacCready, die besagt, dass Vögel und Segelflugzeuge mit hoher Fluggeschwindigkeit gleiten sollten, wenn sie gerade eine starke Thermik verlassen haben und erwarten, sich einer weiteren starken Thermik zu nähern. Aber schnelles Gleiten ist riskant, da der Flyer eher den Boden berührt, bevor er die nächste Thermik erreicht. Unsere Hypothese war also, dass diese Geier und andere schwebende Vögel in der Lage sind, dieses Risiko einzugehen und schnell zu gleiten, wenn sie Hinweise auf den Verbleib der nächsten Thermik durch das Aufsteigen anderer haben.

Als wir die Bewegungen aller Geier kartierten und ihre Gleitgeschwindigkeiten analysierten, fanden wir heraus, dass – bei der Entscheidung, eine Thermik zu verlassen und zur nächsten zu gleiten – Geier, die diese zusätzlichen Informationen durch „Lauschen“ der Bewegungen anderer angezapft hatten (sie wurden nicht zusammengeschart, sondern beobachteten, wie sich die anderen Geier verhielten), das Risiko auf sich nahmen und deutlich höhere Fluggeschwindigkeiten annahmen als diejenigen, die allein gingen.

Diese Erkenntnis hilft uns zu verstehen, was in der unsichtbaren Welt über uns vor sich geht und wie diese Vögel Entscheidungen treffen, um in dieser schwierigen Umgebung zu navigieren. Wir alle sind es gewohnt, Vögel wie Tauben oder Stare zu sehen, die in Herden fliegen, und es kann durchaus vernünftig sein anzunehmen, dass diese Vögel beim Zusammenfliegen miteinander interagieren. Aber unsere Arbeit zeigt zum ersten Mal, dass Vögel, auch wenn sie nicht in einer Herde zusammenfliegen, andere beobachten können, um die Welt um sie herum zu spüren. Dies deutet zumindest für Geier darauf hin, dass es wichtig ist, dass andere Vögel am Himmel mit ihnen sind, da Zahlen benötigt werden können, um ein gesundes Informationsnetz zu erhalten.

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