Die Methoden der Sozialwissenschaftler übersetzen nicht immer gut zwischen den Kulturen.

Es gibt ein Problem mit den Werkzeugen, mit denen Sozialwissenschaftler das menschliche Verhalten untersuchen.

Vertrauenswürdige Fragebögen und visuelle Hilfsmittel, die sie finden, bewerten nicht immer genau die Menschen in verschiedenen Situationen. Das liegt daran, dass sie ursprünglich gemacht wurden, um Studenten und andere gebildete Gruppen in ausgewählten Taschen auf der ganzen Welt zu testen.

„Um zu verstehen, wie Menschen denken und handeln, verwenden Sozialwissenschaftler Methoden, die über Jahrzehnte verfeinert wurden, um gut für eine sehr einzigartige Gruppe von Menschen zu arbeiten, die seit Jahren regelmäßig mit ihnen zusammenarbeiten“, sagt Daniel Hruschka, Hauptautor der Studie und Professor an der Arizona State University’s School of Human Evolution and Social Change.

Sein Team fand dies auf die harte Tour heraus, als es versuchte, den Zusammenhang zwischen sozialer Nähe und Großzügigkeit im ländlichen Bangladesch zu untersuchen.

„Wenn man ein Küchenthermometer in eine Lavagrube taucht und das Thermometer explodiert, weiß man sofort, dass die Messung ein Totalausfall war“, sagt er. „Das Problem ist, dass unsere Fehler in unserem Bereich nicht oft so offensichtlich sind wie die Explosion eines Thermometers.“

Das Team sah, dass etwas nicht stimmte, und als sie erkannten, dass ihre Methoden Probleme verursachten, nutzten sie die Gelegenheit, das „Thermometer“ neu zu gestalten. Im Laufe von vier Feldsaisonen schufen sie neue Werkzeuge, die nicht nur an ihrem Forschungsstandort funktionieren, sondern auch für viele andere interkulturelle Anwendungen vielversprechend sind.

Die Einzelheiten dieser Bemühungen von Hruschka und seinen Kollegen sowie ihre Forderung nach einer Revolution in der Sozial- und Verhaltenswissenschaft werden in den Proceedings of the National Academy of Sciences am 5. November 2018 veröffentlicht.

Vom lokalen Problem zur globalen Lösung

Hruschkas Team ist daran interessiert zu untersuchen, ob Menschen mehr aufgeben, um Freunden und Verwandten zu helfen, was Forscher als „soziales Rabattieren“ bezeichnen. Um dies in Bangladesch zu studieren, baten sie die Teilnehmer, eine typische Übung zu machen: Erstellen Sie eine imaginäre Liste von 100 Personen – vom engsten Freund bis zum entferntesten Bekannten – und entscheiden Sie dann, wie viel von einer Ware (in diesem Fall Reis) sie aufgeben würden, um den Menschen auf dieser Liste zu helfen.

Aber diese Anweisungen verwirrten die Teilnehmer nur. Versuche, unterschiedliche Grade sozialer Nähe mit anderen Mitteln als Zahlen darzustellen – wie überlappende Kreise, überlappende Stabfiguren oder von links nach rechts platzierte Körbe – waren ebenfalls erfolglos.

Der Durchbruch gelang den Forschern, als sie Körbe anordneten, die von den Teilnehmern einer Linie wegführen. Diese Aufstellung war für die Befragten, die die Körbe und Fotos von Erwachsenen aus ihrem Dorf benutzten, um zu bewerten, wie nah sie an einander dran waren, sinnvoller. Der befragte Forscher nutzte die Fotos dann, um die Teilnehmer zu fragen, wie viel Reis sie aufgeben würden, um anderen mit unterschiedlichen Nahheitsstufen zu helfen.

Mit dieser neuen Methodik gelangte das Team zu einem überraschenden Ergebnis, das bei traditionellen Ansätzen vielleicht übersehen wurde. Im Gegensatz zu den Ergebnissen aus über 50 Studien mit Studenten aus aller Welt hat die soziale Nähe keinen Einfluss auf die Großzügigkeit im ländlichen Bangladesch. Seit dieser ersten Erkenntnis fand das Team ein ähnliches Ergebnis im ländlichen Indonesien. Jetzt arbeiten sie daran herauszufinden, warum ein angenommenes „universelles“ Verhalten in den verschiedenen Kulturen tatsächlich sehr unterschiedlich ist.

Mit den neuen Methoden bewerteten die Forscher US-College, die zuvor ähnliche Übungen mit klassischen Methoden durchgeführt hatten. Die Ergebnisse waren unverändert, was den zuvor festgestellten starken Zusammenhang zwischen Nähe und Großzügigkeit in dieser Bevölkerungsgruppe zeigt. Dies bestätigte, dass die neuen Methoden genau sind und in verschiedenen globalen Umgebungen gleichermaßen gut funktionieren.

„Wir fordern die Forscher auf, kulturell sensiblere Methoden für die Interaktion mit der gesamten Bandbreite der Menschheit zu entwickeln“, sagt Hruschka. „Solche Bemühungen erfordern eine Kombination aus Engagement, Zuhören der Teilnehmer und Zusammenarbeit mit lokalen Forschern, die bereit sind, Standardverfahren in Frage zu stellen.“

„Werkzeuge, die in den unterschiedlichsten Kontexten funktionieren“, fügt er hinzu, „werden entscheidend sein, um neue Erkenntnisse über das menschliche Denken und Handeln auf der ganzen Welt zu gewinnen.“

Mehr Informationen:
Daniel J. Hruschka el al., „Lernen aus Protokollfehlern in der interkulturellen Forschung“, PNAS (2018). www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1721166115

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