Hitzewelle: Warum macht heißes Wetter aggressiv?

Sportler foulen häufiger und auch allen anderen brennt schneller mal die Sicherung durch. Wie erklären Wissenschaftler sich den Long hot summer effect?

Long hot summer effect – das klingt herrlich, irgendwie nach gebräunter Haut, hauchdünnen Sommerkleidern und zu viel Aperol Spritz.

Tatsächlich beschreibt der Begriff aber die Auswirkung hoher Temperaturen auf’s Gemüt.

 

Temperaturen steigen, Aggressionen nehmen zu

Monatelang sehnen wir den Sommer herbei, aber wenn es dann heiß und heißer wird, drehen viele von uns einfach durch. Sportler foulen häufiger, Autofahrer hupen und pöbeln noch mehr als sonst.

Polizei und Notaufnahmen bekommen mehr Arbeit als sonst. Psychologe Craig A. Anderson wies mit seinem Team nach, dass während Hitzewellen mehr Gewalt- und Sexualverbrechen begangen werden.

Und selbst wenn nicht gleich die Polizei oder der Arzt kommen muss, brennen vielen von uns schneller die Sicherungen durch, wenn es heiß ist.

Wissenschaftler beobachten das Phänomen schon lange und gaben ihm 1967 den klangvollen Namen ‘Long hot summer effect’.

Der Hintergrund war allerdings dramatisch, denn in diesem Jahr brachen in den USA in mehreren Städten Rassenunruhen aus, die auch mit den hohen Temperaturen in Verbindung gebracht wurden.

Ähnliches wurde beispielsweise auch 2011 in London beobachtet, als während einer Hitzewelle im August mehrere Tage lang in einigen Vierteln der Metropole der Ausnahmezustand herrschte.

 

Kritik reizt uns mehr, wenn es heiß ist

Sind wir im Sommer nicht alle besonders entspannt? Offenbar nur, wenn alles einigermaßen nach unseren Wünschen verläuft. Kommt uns jemand komisch, flippen wir schneller aus.

US-Forscher Paul A. Bell und Robert A. Baron teilten ihre Probanden für ein Experiment in zwei Gruppen.

Die erste Gruppe kritisierte die Teilnehmer der zweiten, die dann wiederum die Chance bekamen, ihre Kritiker mit kleinen Elektroschocks zu bestrafen. Je heißer es war, desto heftiger ließen sie die Armen leiden.

Holländische Forscher analysierten das Verhalten von Polizisten und stellten fest, dass die Beamten während simulierter Krisensituationen bei 21 Grad Außentemperatur in 60 Prozent der Fälle zur Waffe griffen.

War es mit 27 Grad deutlich heißer, zückten sie die Waffen zu 85 Prozent.

 

Warum machen uns hohe Temperaturen wild?

Natürlich gibt es praktische Erklärungen, warum es im Sommer etwas turbulenter zugeht: Bei hohen Temperaturen halten sich mehr Menschen im Freien auf, oft noch bis spät in der Nacht. So begegnen sich schlichtweg mehr Menschen, die miteinander in Streit geraten können.

Auch für Gelegenheitsdiebe ist der Sommer super, da wir oft leicht bekleidet und mit zugänglichen Taschen herumlaufen oder unsere Sachen im Park oder Freibad auch mal aus den Augen lassen.

Das allein reicht jedoch nicht aus, um die Statistiken zu erklären. Eine Theorie lautet, dass in der Hitze das Herz schneller schlägt, der Testosteronwert steigt und zusammen mit weiteren Faktoren unser sympathisches Nervensystem in Alarmstimmung versetzt.

Jetzt heißt es kämpfen oder fliehen, und nicht wenige sind bei Hitze kampfbereiter.

Eine andere, eher psychologisch ausgerichtete Theorie beschreibt das Unwohlsein, das extreme Hitze hervorruft.

Wir werden grantig wie kleine Kinder und assoziieren alles, was uns nicht gefällt, mit unseren negativen Gefühlen. Wir sind gereizter und teilen schneller als gewöhnlich aus.

Wie gehen wir damit am besten um? Indem wir reichlich trinken, die direkte Sonne meiden und über Mittag lieber drinnen bleiben, erhöhen wir die Chancen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

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