Abführmittel: Können sie wirklich beim Abnehmen helfen?

Frei verkäufliche Produkte gelten als harmlos und werden sogar als Abnehmhelfer angepriesen. Ein Trugschluss, der gefährlich sein kann, wie ein Experte erklärt.

Streikt die Verdauung, fühlen wir uns schnell mehrere Kilo schwerer und unangenehm aufgebläht. Meist löst sich das Problem zwar nach wenigen Tagen von selbst, doch wer will schon weite Kleidung tragen und abwarten? Abführmittel versprechen eine schnelle Erleichterung und scheinen in frei verkäuflicher Form ganz unbedenklich.

 

Abführmittel als Diät-Booster – funktioniert das?

Doch immer öfter werden die Präparate auch in dem Irrglauben angewendet, sich schnell einiger lästiger Pfunde entledigen zu können. Dass man so Fett verliert oder langfristig die Verdauung beschleunigt, ist allerdings ein Mythos. Auf Dauer fördern Pillen, Pulver und Zäpfchen sogar Darmträgheit – und können dem Körper ernsthaft schaden.

 

Pillen, Zäpfchen, Granulat – so wirken Abführmittel

Die meisten frei verkäuflichen Mittel wirken durch Eingreifen in die Flüssigkeitsregulierung. Sie binden entweder Wasser im Dickdarm oder hindern die Darmwand daran, dem Nahrungsbrei Wasser zu entziehen. Der Stuhl wird weicher, voluminöser, drückt auf die Darmwand und löst innerhalb weniger ­Stunden einen Entleerungsreiz aus.

Für den langfristigen Gebrauch sind die Mittel nicht geeignet, denn sie schleusen mit dem Wasser auch wichtige ­Elektrolyte wie Kalium, Natrium und Magnesium aus dem ­Körper. Dehydrierung und Mineral­stoffmangel können die Folge sein.

Rektal eingeführte Zäpfchen wirken dagegen, indem sie einen Gleitfilm bilden und das Ausscheiden in Minuten­schnelle erleichtern. Pflanzenextrakte wie Rhabarber, Aloe oder Sennesblätter klingen harmlos, greifen aber ebenfalls in den Flüssigkeitshaushalt ein und können den Darm stark reizen.

 

Mythos 1: Mit Abführmitteln kann man Fett verlieren

Nachdem Abführmittel ihre Wirkung erzielt haben, fühlt man sich oft so erleichtert, als hätte man gleich noch ein wenig Bauchfett verloren. Nicht verwunderlich, dass sie zunehmend als Diät-Booster missbraucht werden.

Das Gefühl trügt ­allerdings – unsere Fettzellen bleiben völlig unberührt. Der Gewichtsverlust resultiert allein aus dem Wasserverlust, den der Körper nach der Anwendung sofort wieder auszugleichen versucht.

 

Mythos 2: Kalorien werden unschädlich gemacht

Der Irrglaube: Nach dem Essen eingenommen, schleu­sen Abführmittel Gegesse­nes schnell wieder aus dem Körper. So bleibt keine Zeit, enthaltene Kalo­rien aufzunehmen. Das funktioniert allerdings nicht, denn unser Körper resorbiert die Nährstoffe zum Großteil im Dünndarm. Abführmittel wirken erst im Dickdarm, dem „hinteren“ Teil der Verdauungskette – zu spät zum Kaloriensparen. Abgeführt werden außerdem nur ohnehin unverdauliche Speisereste samt Wasser.

Mythos 3: Sie wirken total nachhaltig

Akute Verstopfung entsteht meist durch besondere Umstände. Urlaubsreisen sind der Klassiker: ungewohntes Essen, weniger Bewegung, austrocknendes Klima, Zeitumstellung oder Stress. Abführmittel können dann das Symptom der ausbleibenden Darmentleerung beheben. Bleiben die Ursachen aber unverändert, kommt auch die Verstopfung zurück.

Länger als ein bis zwei Wochen darf wegen erheblicher Nebenwirkungen nicht auf die Präparate zurückgegriffen werden. Zudem kann sich der Darm an die Hilfestellung gewöhnen und noch träger werden. Verfestigt sich das Problem (Wortspiel beabsichtigt), hilft nur ein gesünderer Lebensstil.

 

Besser als Abführmittel: Natürlich nachhelfen

Wer regelmäßig seltener als dreimal pro Woche aufs Klo kann, sollte mehr Wasser trinken. Am besten gleich morgens. Dazu bringt Sport meist auch die trägste Verdauung wieder in Schwung. Zusätzlich helfen Wasser bindende Quellmittel wie Weizenkleie, geschrotete Floh- und Leinsamen.

Die Wirkung tritt allerdings erst nach einigen Tagen ein, ­da­für können die Pflanzenfasern dauerhaft angewendet werden. Vorausgesetzt, sie werden mit viel Flüssigkeit aufgenommen, sonst können sie einen Darmverschluss verursachen. Wenn nichts hilft: lieber zum Arzt gehen als experimentieren!

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