Was darf ich tun, um Hunde abzuwehren?

Passanten dürfen frei laufende Hunde abwehren, entschied ein Gericht in Koblenz. Was ist dabei zulässig? Wann müssen Hunde angeleint sein? Antworten im Überblick.

Jogger haben es öfter mit Hunden zu tun. Mal mit dem inneren Schweinehund, mal mit freilaufenden Exemplaren. Die Frage ist: Was kann ein Zweibeiner tun, um Vierbeiner fernzuhalten?

Das Oberlandesgericht Koblenz hat eine Antwort gegeben. Ein Jogger darf sich wehren, wenn er den Eindruck hat, dass der Halter das Tier nicht unter Kontrolle hat. Doch wie man sich dem Hund widersetzen darf, hängt von seinem Verhalten ab. Die Regeln zur Leinenpflicht sind zudem regional unterschiedlich – der Überblick.

Was hat das Oberlandesgericht Koblenz entschieden?

Geklagt hatte ein Jogger, der mit seiner angeleinten Hündin im Wald unterwegs war. Als der Hund zweier Spaziergänger auf ihn zukam, forderte er sie auf, das nicht angeleinte Tier zurückzurufen.

Der Hund reagierte nicht auf die Rufe. Beim Versuch, das Tier mit einem Ast fernzuhalten, rutschte der Jogger aus. Er zog sich einen Riss der Kniesehne zu und musste operiert werden.

Das Oberlandesgericht Koblenz entschied: Der Hundehalter haftet in vollem Umfang für die Schäden des Klägers, weil er gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen habe.

Warum mussten die Hundehalter haften?

In Koblenz schreibt die Gefahrenabwehrverordnung vor, Hunde außerhalb von Orten umgehend und ohne Aufforderung anzuleinen, wenn sich eine andere Person nähert.

Dagegen haben die Hundehalter aus Sicht des OLG verstoßen. Deshalb müssen sie für die Schäden des Joggers haften. Dass der Hund aus Sicht der Halter nur spielen wollte, ist unerheblich.

Wann und wo müssen Hunde angeleint werden?

Das regeln die Verordnungen der Länder, wie Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher erklärt. Jede Kommune könne zudem weitergehende eigene Bestimmungen erlassen.

In Hamburg und Brandenburg etwa gilt eine generelle Anleinpflicht; in Hessen gilt sie bei öffentlichen Großveranstaltungen oder in Grünanlagen und Fußgängerzonen; in Bayern und Baden-Württemberg gibt es keine Anleinpflicht.

Ob ein Hund im Wald frei laufen darf, ist laut Ullrich im Forstgesetz der Länder geregelt. Sie empfiehlt Haltern angesichts dieses Flickenteppichs an Vorschriften, sich vor Ort zu erkundigen. Doch ist Freilaufen erlaubt und hat ein Halter sein Tier im Griff, empfiehlt Ullrich, den Hund abzuleinen. „Bewegung ist ein Grundbedürfnis des Hundes“, sagt sie.

Unabhängig von örtlichen Regeln verweist Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller auf das Bürgerliche Gesetzbuch: „Halter haften für alles, was ein Tier anrichtet“, sagte er. Der Jurist arbeitet seit gut 20 Jahren im Tierrecht. Cäsar-Preller empfiehlt, Hunde grundsätzlich an die Leine zu nehmen. „Kein Halter hat seinen Hund immer zu 100 Prozent unter Kontrolle“, sagt er. Renne ein Hund etwa auf die Straße und verursache einen Verkehrsunfall, hafte der Halter.

Deswegen rät Britta Rakow zu einer Hundehaftpflichtversicherung. Die Hamburger Anwältin ist auf Tierrecht spezialisiert. Nicht alle Versicherungen decken jedoch Schäden ab, die frei laufende Hunde verursacht haben; manchmal sind auch Schäden nicht enthalten, die in Ferienwohnungen entstehen. Kunden sollten Verträge gut prüfen, rat Rakow.

Was darf ich tun, um einen Hund abzuwehren?

Einen Hund wegzuschieben, sagt Jurist Cäsar-Preller, sei immer zulässig. Komplizierter sei die Frage, ob man dafür auch zu einem Gehstock oder einen Regenschirm greifen dürfe. Das hänge auch vom Verhalten des Hundes ab. Ist er aggressiv und komme mit offenem Maul angerannt, sei das zulässig. Auch der Einsatz von Hunde-Pfefferspray oder einer Ultraschall-Pfeife sei erlaubt.

Eine übertriebene Reaktion jedoch kann juristische Konsequenzen haben. Cäsar-Preller kennt einen Fall, bei dem sich ein Spaziergänger gegen ein Hund wehren wollte. Doch der Mann habe das Tier derartig mit einem Gehstock traktiert, dass es behandelt werden musste. Da sich das Tier obendrein nicht aggressiv verhalten habe, musste der Passant die Behandlungskosten tragen. Er handelte aus Sicht der Richter unverhältnismäßig.

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ein Hund auf mich zu rennt?

Sich ruhig verhalten, an einem Ort bleiben und sich vom Hund abwenden – das empfiehlt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher. Sie rät dazu, die Hände an den Körper zu nehmen und zu warten, bis der Halter da sei. Hektische Bewegungen, Schreie oder Tritte seien zu vermeiden.

Joggern rät sie, langsam anzuhalten und nicht weiterzulaufen. Der Hund könne das sonst als Spielaufforderung oder gar Jagdsituation verstehen.

Video: Hundepsychologie – Kontrollverlust am anderen Ende der Leine

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