Pflegeheime an der Belastungsgrenze

Pflegeheime an der Belastungsgrenze

LINZ. Heime in Obersterreich sind zu 97 Prozent ausgelastet. Personal ist nur schwer zu finden Seit dem Wegfall des Pflegeregresses sind die Anmeldungen in den Heimen teils massiv gestiegen.


„Bei uns im Bezirk sind alle Heimpltze belegt und wir haben eine Warteliste“, sagt Braunaus Bezirkshauptmann Georg Wojak. Das war in Braunau nicht immer so: „Vor der Abschaffung des Pflegeregresses hatten wir zwischen 40 und 50 freie Betten“, sagt Wojak.

Beim Sozialhilfeverband (SHV) Braunau stehen 15 Menschen derzeit auf der Warteliste. Fr die Betroffenen ist das Warten auf einen freien Platz eine groe Belastung, sagt Karin Altmller, Geschftsfhrerin des SHV Braunau: „Die Leute zeigen Verstndnis, aber jeder, der schon einmal eine demente Person betreuen musste, wei, wie gro diese Herausforderung ist.“

Landesweit sind die Pflegeheime an ihren Belastungsgrenzen angelangt. 97 Prozent der rund 12.500 Betten sind durchschnittlich belegt. Wartelisten sind bei vielen Sozialhilfeverbnden bittere Realitt. „In dringenden Fllen msste ein Platz binnen einer Woche zur Verfgung stehen. Das schaffen wir derzeit nicht. Die Reserven sind weg“, sagt Gemeindebundprsident Johann Hingsamer.

Verstrkter Personalmangel

In manchen Heimen fehlt schlicht das Personal, um sie mit voller Auslastung betreiben zu knnen.

In Eggelsberg wurde im April 2018 ein neues Heim fr 80 Bewohner erffnet. Von den 80 Betten sind derzeit aber lediglich 30 belegt – nicht, weil es an Nachfrage mangelt: „Wir suchen nicht nur Pflegekrfte, sondern auch Mitarbeiter fr die Kche und Reinigung“, sagt Altmller. Es fehlt an Personal, besttigt auch Bezirkshauptmann Wojak. Bis vor einigen Jahren seien die Ausbildungskurse fr Pflegeberufe noch sehr gut besucht gewesen, das habe sich gendert: „Bei uns im Bezirk gibt es viele erfolgreiche Privatwirtschaftsbetriebe, die auch mehr zahlen knnen. Das macht es noch schwieriger, gutes Personal fr die Pflege zu bekommen.“

Mehr mobile Betreuung

Klar ist aber, dass der Personalbedarf in der Pflege steigt. „Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 1600 Arbeitspltze im Pflegebereich zu vergeben sein werden“, sagt Soziallandesrtin Birgit Gerstorfer (SP). Mit einem Manahmenpaket mchte sie dieser Entwicklung entgegenwirken. Mit dem neuen Lehrgang „junge Pflege“ knnen sich Jugendliche bereits nach der Pflichtschule zum „Fachsozialbetreuer Altenarbeit“ ausbilden lassen. Bisher lag die Altersgrenze bei 17 Jahren. Gleichzeitig mchte das Sozialressort alternative Wohnformen und mobile Betreuungsdienste ausbauen, um die Pflegeheime zu entlasten.

In der Landeshauptstadt gibt es so gut wie berhaupt keine freien Pflegebetten mehr. „Wir sind zu 99,5 Prozent ausgelastet“, sagt Vizebrgermeisterin Karin Hrzing (SP). Auch sie besttigt, dass die Suche nach geeignetem Personal immer schwieriger werde. „Der Pflegeberuf msste wieder auf der Liste der Mangelberufe stehen“, fordert Hrzing von der Bundesregierung. Wartezeiten fr einen Heimplatz stehen in Linz auf der Tagesordnung: „Im Schnitt dauert es einen Monat.“ In Ausnahmefllen kann es auch deutlich lnger sein.

Auch der Wegfall des Pflegeregresses mit Anfang des heurigen Jahres (wir haben mehrmals berichtet) hat Auswirkungen fr Obersterreichs Pflegeheime, besttigt Andrea Auerweger, Bezirkshauptfrau in Freistadt.

Die Anmeldungszahlen seien in den Heimen in Freistadt, Pregarten und Lasberg seit Jahresbeginn stark gestiegen: „Die Angehrigen haben da zum Teil sehr offen gesagt, dass der Entfall des Pflegeregresses ein Grund fr die Bewerbung um einen Heimplatz ist“, sagt die Bezirkshauptfrau. Wartelisten gibt es inzwischen in allen Heimen in Auerwegers Bezirk.

 

Dem Land entgehen Millionen

Durch die Abschaffung des Pflegeregresses sind laut dem Gemeindebund alleine in Obersterreich Mehrkosten von rund 65 Millionen Euro entstanden. Dieser Verlust wird zum Groteil vom Bund ersetzt. „Wir werden heuer fr Obersterreich 58 Millionen aus dem Topf bekommen“, sagt Gemeindebundprsident Hingsamer. Er hat aber noch die Hoffnung, auch die restlichen Millionen aus Wien zu bekommen: „Es gibt bereits Anzeichen, dass andere Bundeslnder nicht das veranschlagte Geld brauchen werden.“ Obersterreich wrde in diesem Fall das fehlende Geld im kommenden Jahr doch noch bekommen. 

 

Pflege in Obersterreich

97 Prozent Auslastung: Nur drei Prozent der 12.500 Pflegebetten in Obersterreich sind derzeit nicht belegt.

1600 Pfleger: Das Sozialressort des Landes rechnet damit, dass bis zum Jahr 2025 1600 zustzliche Pfleger gebraucht werden.

65 Millionen Euro: Diese Mehrkosten sind laut dem Gemeindebund durch den Wegfall des Pflegregresses alleine in Obersterreich entstanden.

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