„Luftg’selchter“ Pfarrer war gut ernhrt und rauchte Pfeife

„Luftg’selchter“ Pfarrer war gut ernhrt und rauchte Pfeife

ST. THOMAS AM BLASENSTEIN. Wissenschafter der Universitt Mnchen haben die Mumie aus dem Mhlviertel zehn Monate lang untersucht. Das sind die Ergebnisse.


Viele Geschichten und Mythen ranken um den „luftg’selchten“ Pfarrer aus St. Thomas am Blasenstein (Bezirk Perg), eine Mumie, die bereits 1830 in einem Fremdenfhrer erwhnt wurde. Am Sonntag haben Wissenschafter der Universitt Mnchen, die sie zehn Monate lang untersuchten, neue Erkenntnisse prsentiert: Der Mann war zu Lebzeiten gut ernhrt und frnte einem kleinen Laster, dem Pfeifenrauchen.

Entgegen dem Volksmund, der besagte, dass der in der Gruft Bestattete unter Epilepsie gelitten habe, wiesen die Untersuchungen auf eine lngere Krankheit hin. Wahrscheinlich laborierte er an einer chronischen Lungen-Tuberkulose und ein akuter Blutsturz wird als finale Todesursache vermutet, teilte die Dizese Linz in einer Presseaussendung am Montag mit.

Auch eine rtselhafte Kugel im Unterbauch, die schon 2000 auf Rntgenbildern zu sehen war, ergab nicht den gerchteweise vermuteten Giftanschlag, sondern entpuppte sich als Glasperle, wie sie fr Handarbeiten und Rosenkrnze verwendet wurde. Die Glasperle drfte mitgerutscht sein, als die Leibeshhle mit Hobelspnen, Astwerk und Stoffstckchen ausgestopft wurde, wie die Computertomographie 2017 zeigte.

Von der Kleidung des Toten – unter anderem gestrickte Strmpfe und eine Kniebundhose mit Grtel – sind nur mehr minimale Reste vorhanden. Haut- und Knochenbefunde zeigten, dass die Person sehr gut ernhrt war und nie besonders hart arbeiten musste. Den Hinweis auf Pfeifenrauchen ber einen lngeren Zeitraum gab eine Abntzung der Schneidezhne.

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Weil der Erhaltungszustand der Mumie in der Gruft der Pfarrkirche St. Thomas sich zusehends verschlechterte, wurde sie im Oktober 2017 fr zehn Monate nach Mnchen gebracht, wo der Pathologe und Mumienexperte Andreas Nerlich und der Rechtsmediziner Oliver Peschel, der auch Konservierungsbeauftragter fr den tzi ist, sich ihrer annahmen. In der Zwischenzeit wurde ein zweiter Gruftraum geffnet und saniert, wo die Mumie seit August unter besseren Bedingungen liegt und zu sehen ist.

Viele Fakten sprechen dafr, dass es sich bei der Mumie – wie stets vermutet – um den 1746 im Alter von 37 Jahren verstorbenen Pfarrvikar Franz Xaver Sydler von Rosenegg handle. Die Radiokarbon-Datierung einer Gewebeprobe legt den Sterbezeitpunkt zwischen 1734 und 1780, Lederschuhe, wie die Mumie sie trug, datieren zwischen 1670 und 1750. Auerdem weist der Erhaltungszustand der Mumie mehrere hnlichkeiten zu drei Teilmumien in der Gruft des Stiftes Waldhausen auf. Dort war Sydler Ordensmann der Augustiner.

Nicht in dieses Bild passt die rasche Bestattung des Kirchenmanns, laut Matrikenbcher der Pfarre St. Thomas am 3. September 1746, einen Tag nach seinem Tod. Denn das widerspricht der gezielten Haltbarmachung des Leichnams auch mit Chemikalien, wie sich aus der Toxikologie ergab. Dann muss er lngere Zeit unter Luftabschluss gelegen sein, eine Erdbestattung ist auszuschlieen. Die Mumie ist 1,71 Meter lang und wiegt etwa zehn Kilo. Der Krper sei ber Brust, Bauch und Rcken ausgezeichnet erhalten.

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