Liebe Leserin, lieber Leser,

Morgen finden die Midterms in den USA statt – die Zwischenwahlen, in denen alle Sitze im Repräsentantenhaus, 35 der 100 Senatssitze sowie 36 Gouverneursposten neu vergeben werden. Seit Wochen stehen deshalb Facebook, Twitter und Google und ihre jeweiligen Tochterfirmen unter verschärfter Beobachtung, als potenzielle Arenen in der „Weltmeisterschaft in Informationskrieg“, wie es Facebooks ehemaliger Sicherheitschef mal formulierte.

Einerseits gibt es gewisse Erfolge: Vergangenen Freitag etwa hat Twitter noch bestätigt, 10.000 Nutzerkonten gelöscht zu haben, die vorgeblich von den US-Demokraten stammten und Bürger zum Boykott der Wahlen ermutigten. Zuvor hat das US-Justizministerium Anklage erhoben gegen die Russin Jelena Chusjajnowa, wegen Einmischung in den Midterms-Wahlkampf über soziale Medien. Es ist die erste Anklage dieser Art.

Facebooks „War Room“

Anderseits haben mittlerweile schon drei Teams von Journalisten nachgewiesen, dass Facebooks neues Transparenzsystem für politische Anzeigen kinderleicht zu manipulieren ist, ebenso wie YouTubes angebliche Schutzvorkehrungen. Reporter der „New York Times“ fragen außerdem sinngemäß, was die Spezialisten in Facebooks „War Room“ eigentlich beruflich machen, weil ihre Leser sie auf Tausende offensichtliche Falschmeldungen im sozialen Netzwerk hinweisen, für deren Bekämpfung Facebook seinen Raum doch angeblich eingerichtet hatte.

Und die US-Behörden reden zwar viel über den Umgang mit Desinformationskampagnen, aber „Politico“ zufolge konnten sie sich bis zuletzt nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Wäre es sinnvoll, der Bevölkerung möglichst viel von Manipulationsversuchen zu erzählen oder lässt das sie erst recht an der Rechtmäßigkeit der Midterms zweifeln? Soll alles, was entdeckt wird, an die Öffentlichkeit, damit die eine informierte Entscheidung treffen kann, wie es das Heimatschutzministerium DHS möchte? Soll alles unter Verschluss bleiben, bis das FBI genug Beweismaterial für eine Anklage hat? Oder soll alles für immer geheim bleiben, damit die NSA nicht Gefahr läuft, Methoden und Quellen zu verraten? Solche Fragen sind laut „Politico“ bis heute offen.

Für die EU ist das alles Anschauungsmaterial im Umgang mit Desinformation. Die Nervosität vor den Europawahlen im Mai 2019 steigt jedenfalls, sofern die vielen Einladungen zu entsprechenden Diskussionsveranstaltungen in meinem Postfach ein Gradmesser sind.

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Web Summit in Lissabon

In Lissabon beginnt heute der Web Summit, eine hochkarätig besetzte Konferenz zur Zukunft des Internets. World-Wide-Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee wird in seiner Eröffnungsrede einige Prinzipien zur gemeinsamen Verantwortung von Regierungen, Unternehmen und Bürgern für ein Internet vorstellen, das allen Menschen nützt. Meine Kollegin Angela Gruber ist vor Ort und wird berichten.

Seltsame Digitalwelt: Ein Königreich für einen Telekom-Kunden

Meine absolute Lieblingsband hat kürzlich ihre nächste Europatour angekündigt, die erste seit 2007. Sofort schrieben mir Freunde aus Köln, mit denen ich damals schon auf einem Konzert der Band war, dass wir uns unbedingt Karten besorgen müssten. Der Vorverkauf würde in drei Tagen starten und wenige Minuten darauf enden, weil dann alle Karten weg sein würden. Dann sah ich, dass Telekom-Kunden, die das sogenannte MagentaEINS-Paket für Festnetz, Internetfernsehen und Mobilfunk gebucht haben, exklusiv vorab zugreifen dürfen. Die Frage war nur: Kenne ich irgendjemanden, der sich so komplett einem Provider ausliefern mag?

Telekom-Logo

Ich fing an, herumzufragen. Die ersten Antworten im Originalwortlaut: Nee, No und Nope. Ich war kurz davor, offen auf Twitter zu fragen und eine Belohnung auszuloben für den ersten, der mir einen MagentaEINS-Nutzer bringt, da schrieben die Kölner: Ein „Kumpel“ habe tatsächlich so einen Vertrag und habe uns sofort die Karten gesichert.

Viele andere hatten Pech, wenige Minuten nach dem allgemeinen Vorverkaufsbeginn waren wie erwartet alle Karten verkauft. Die Moral der Geschichte? Zu einem gut sortierten Freundeskreis gehören neben Steuerberatern, Anwälten, Handwerkern und einem, der Drucker einrichten und Daten wiederherstellen kann, unbedingt auch Kunden bestimmter Provider.

App der Woche: „Pfandgeben“

getestet von Tobias Kirchner

Wer Pfand abgeben und es Leuten zukommen lassen will, die darauf angewiesen sind oder aus anderen Gründen Pfand sammeln, kann die App Pfandgeben nutzen. In der kostenlosen, werbefreien Anwendung werden je nach Standort Leute angezeigt, die Pfand entgegennehmen. Die Registrierung ist dabei auch ohne Smartphone via SMS möglich.

Wurde eine Person in der Nähe gefunden, kann noch die Pfandmenge angegeben werden. Alles Weitere wird dann mit einem Telefonat geklärt. Noch hat die App allerdings einen großen Nachteil. Denn bisher sind nur wenige Pfandempfänger in Großstädten wie Berlin registriert.

Gratis von Christoph Reinders, ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche,

Patrick Beuth

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