Inflation in der Türkei steigt auf mehr als 25 Prozent

Die Krise der Lira heizt die Inflation in der Türkei weiter an. Die Verbraucherpreise lagen im Oktober so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Die Inflation in der Türkei ist im Oktober auf 25,2 Prozent gestiegen. Das teilte das nationale Statistikamt mit. Der Absturz der türkischen Landeswährung Lira hat damit den stärksten Preisanstieg seit Mitte 2003 herbeigeführt.

Im Oktober stiegen die Preise für Haushaltswaren (37,9 Prozent), Transport (32 Prozent) und Lebensmitteln (29,3 Prozent) besonders stark. Die Lira verlor nach der Mitteilung 0,5 Prozent an Wert und wurde mit einem Kurs von 5,45 zum Dollar gehandelt.

Die hohe Inflation ist vor allem eine Folge der starken Kursverluste der türkischen Lira. Diese hatte im August inmitten eines Streits zwischen der Türkei und den USA massiv an Wert verloren. Nach der Freilassung des inhaftierten US-Pastors Andrew Brunson im Oktober entspannte sich das Verhältnis zu Washington, was am Freitag zur Aufhebung wechselseitiger Sanktionen führte. Inzwischen hat die Lira einen Teil ihrer Verluste gutgemacht, liegt aber weiterhin deutlich unter ihrem Niveau zu Jahresbeginn.

Die Inflation stieg im Oktober stärker an als von Ökonomen erwartet, jedoch weit geringer als im September, als die Preise im Monatsvergleich um 6,3 Prozentpunkte zugelegt hatten und die Inflation auf 24,5 Prozent stieg. Damals war die Lira nach Bekanntgabe der Inflationszahlen deutlich eingebrochen. (Lesen Sie hier, wie die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei gestoppt werden könnte.)

Die Abwärtsentwicklung der Lira verteuert Einfuhren in die Türkei, auf die das Land dringend angewiesen ist. Denn die Türkei weist ein chronisches Leistungsbilanzdefizit auf. Noch wesentlich stärker als die Verbraucherpreise stiegen die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten. Sie erhöhten sich im Oktober auf Jahressicht um gut 45 Prozent. Die Herstellerpreise beeinflussen die Verbraucherpreise in Teilen und zeitverzögert.

Nach monatelanger Untätigkeit hatte die Zentralbank im September den Leitzins um 625 Basispunkte auf 24 Prozent erhöht. Trotz der dadurch ausgelösten vorübergehenden Stabilisierung der Lira weitet sich die Währungskrise mehr und mehr zu einer Wirtschaftskrise aus: Türkische Unternehmen, die einen Großteil ihrer Kredite in Dollar und Lira aufgenommen haben, können ihre Schulden kaum noch begleichen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herab.

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hatte im Oktober einen „Kampf gegen die Inflation“ angekündigt. Albayrak will die Steuern für die Autoindustrie, bei Haushaltsgeräten und Möbeln senken. Zuvor hatte das Finanzministerium Exporteure dazu verpflichtet, im nächsten halben Jahr 80 Prozent ihrer Einnahmen bei türkischen Banken zu deponieren. Immobiliengeschäfte dürfen künftig nur noch in Lira abgewickelt werden. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, die Lager von Geschäften, die Preise unverhältnismäßig stark anheben, von der Polizei stürmen zu lassen.

Für 2019 rechnet die türkische Notenbank mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 15,2 Prozent.

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