EU-Einwanderung stärkt Wachstum in Deutschland: Studie

BERLIN, 31. Oktober — Die Zuwanderung von Zuwanderern aus anderen EU-Mitgliedsstaaten sorgt für einen deutlichen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie eine am Mittwoch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichte Studie ergab.

Der Studie zufolge hat die Migration von mehr als fünf Millionen EU-Bürgern in die größte Volkswirtschaft des Landes seit 2011 das jährliche BIP-Wachstum in Deutschland um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte erhöht. In einzelnen Jahren wie 2015 wurde der Nutzen, den Deutschland aus der Freizügigkeit innerhalb der EU gezogen hat, sogar auf 0,3 Prozentpunkte geschätzt.

Offene Stellen in deutschen Unternehmen, die von EU-Bürgern besetzt werden, führen zu einer höheren Gesamtbeschäftigung im Land, was sich auch in einer höheren Verbrauchernachfrage widerspiegelt. Darüber hinaus trägt die Freiheit der Unternehmen in Deutschland, Arbeitnehmer aus einem der 28 derzeitigen EU-Mitglieder einzustellen, dazu bei, den inländischen Arbeitskräftemangel zu mildern, der ansonsten zu höheren Produktionskosten, höheren Preisen und einem langsameren Wachstum führen würde.

„Ohne Zuwanderung aus dem Rest der EU wäre das BIP in Deutschland im Jahr 2015 nur um 1,2 Prozent statt um 1,5 Prozent gewachsen“, sagte Marius Clemens, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Prognose und Wirtschaftspolitik des DIW. „Dies ist ein nicht unbedeutender Beitrag, den die EU-Einwanderung geleistet hat – und weiterhin leistet“, fügte Clemens hinzu.

Auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes und von Eurostat haben Clemens und seine Mitautorin Janine Hart berechnet, dass in den letzten sieben Jahren insgesamt 5,1 Millionen EU-Bürger nach Deutschland gekommen sind. Damit entfiel auf die Gruppe ein größerer Anteil an Einwanderern als auf alle anderen Länder zusammen.

Ein Grund für den stillen Aufwärtstrend der EU-Einwanderung ab 2011 wurde durch die Studie zur schrittweisen Einführung der Freizügigkeit für Arbeitnehmer für die jüngsten Mitglieder des Blocks identifiziert.

Das DIW wies weiter darauf hin, dass viele Bürger aus südeuropäischen Ländern, die von der jüngsten Wirtschaftskrise stärker betroffen waren, auf der Suche nach besseren Möglichkeiten nach Deutschland zogen. Die Studienautoren betonten, dass die relative Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen im Herkunftsland im Vergleich zu Deutschland im Allgemeinen der häufigste Faktor war (60 Prozent), der Veränderungen im Muster der EU-Migration seit 2011 erklären könnte.

„EU-Immigranten kommen zu uns, um Arbeit zu finden – und das ist meistens auch das, was passiert, wie viele Studien zeigen“, erklärte Hart.

Die meisten EU-Immigranten in Deutschland sind jung, gut qualifiziert und haben eine hohe Erwerbsquote. Im Jahr 2017 wurde der Anteil der Erwerbstätigen aus dem Ausland auf 74,6 Prozent gemessen, gegenüber 70,6 Prozent bei den deutschen Bürgern.

Clemens argumentierte am Mittwoch, dass die deutsche Politik gut beraten sei, den weiteren und verbesserten Zugang der EU-Bürger zum heimischen Arbeitsmarkt angesichts einer schnell alternden lokalen Bevölkerung und immer gravierender werdender Arbeitskräftemangel sicherzustellen.

„Um für Zuwanderer aus Europa attraktiv zu bleiben, muss Deutschland mehr tun, denn die Wirtschaft erholt sich bereits in vielen Ländern und insbesondere in der Eurozone wieder“, warnte er.

So müsste beispielsweise den Einwanderern aus dem Block mehr Möglichkeiten geboten werden, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden, der dem Niveau ihrer beruflichen Fähigkeiten entspricht. Die Studienautoren schlugen vor, zu diesem Zweck die bestehenden Verfahren für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen zu vereinfachen.

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tekk.tv

Lange Zeit war Paul Florian in der TV-Branche tätig. Schon immer gab es eine Schublade voller Handys (und später Smartphones) in seiner Wohnung. Als Online-Redakteur hat der Nerd in ihm diese Schublade nun für Tekk geöffnet.

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