„Der Sketch war gemeinsam ausgedacht“

Eine alte Stand-up-Einlage mit Jan Böhmermann entfachte kürzlich eine Antisemitismusdebatte. Er selbst äußerte sich bisher nicht direkt. Nun hat er in seinem Podcast von einer „irritierend unsachlichen Diskussion“ gesprochen.

Bisher hatte sich Jan Böhmermann nicht in die Debatte um Antisemitismusvorwürfe eingeschaltet oder explizit dazu Stellung bezogen. Nun wählt er den eigenen Podcast „Fest & Flauschig“ mit Olli Schulz, um sich zu äußern.

Hintergrund ist das von Oliver Polak verfasste Buch „Gegen Judenhass“, in dem der 42-Jährige seine biografischen Erfahrungen aufgeschrieben hat. Das war bereits einen Monat zuvor erschienen. Doch ein Artikel des Medienjournalisten Stefan Niggemeier sorgte dann für Aufruhr.

Der hatte in einem Artikel drei in dem Buch anonymisierte Personen als Jan Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf und Serdar Somuncu identifiziert. Es ging um einen gemeinsamen Bühnenauftritt mit Polak, der damit endet, dass sich Böhmermann die Hände desinfiziert, nachdem er dem jüdischen Kabarettisten die Hand geschüttelt hatte.

Mit Ausnahme eines etwas verklausuliertem Tweets hatte sich Jan Böhmermann bisher nicht an der Diskussion um den acht Jahre alten Sketch beteiligt.

Jetzt sei er gern „behilflich, Fakten in die Lage zu bringen“, so Böhmermann in dem Spotify-Podcast. Laut Böhmermann habe es sich um einen Sketch gehandelt, den „vier hauptberufliche Komiker“ im Jahr 2010 anlässlich des 25. Bühnenjubiläums von Serdar Somuncu aufgeführt hätten. Und zwar in Reaktion auf das damals gerade erschienene Buch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“.

„Den Sketch haben sich die vier Leute gemeinsam ausgedacht, gemeinsam geprobt, gemeinsam aufgeführt“, so Böhmermann. „Alle Beteiligten haben ihre Rollen freiwillig, selbstbestimmt gespielt, im gegenseitigen Einverständnis.“ Alle Beteiligten hätten auch im Nachhinein zugestimmt, dass der Sketch später auf DVD veröffentlicht wird. Die direkten Namen der Beteiligten nannte Böhmermann nicht.

„Irritierend unsachliche Diskussion“

Zwar stehe jedem Komiker frei, seine Rolle auch acht Jahre später in Frage zu stellen und neu zu bewerten und zu interpretieren, so Böhmermann weiter. „Das verändert aber nicht den tatsächlichen inhaltlichen und performativen Kontext von Aufführungen“, so der Moderator.

Böhmermann plädiert in seinen Ausführungen dafür, die Debatte über aktuellen Antisemitismus seriös zu führen und dafür auch nicht in alte, über Jahrzehnte gelernte Reaktionen zu verfallen. „Ich war wahnsinnig überrascht von dieser, um es diplomatisch zu sagen, irritierend unsachlichen Diskussion.“

Rückenwind erhält Böhmermann von Serdar Somuncu, der am Sonntag ebenfallsein Statement veröffentlichte. Darin wirft er Polak namentlich vor, die Vorwürfe gegen Böhmermann, Heufer-Umlauf und ihn selbst vor allem nutze, um sein Buch zu promoten. Polak habe sich jahrelang nicht an dem Sketch gestört, sogar noch eifrig mitgemacht. „Dennoch behauptet er nun, nach wahrlich reiflicher Überlegung, dass der antisemitische Ton des Sketches für ihn unerträglich gewesen sei.“ Das sei nicht nur abstrus, Polak erweise auch all denjenigen einen Bärendienst, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen wollten.

Video: „Du Jude!“ als Schimpfwort

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