AfD verliert nach angekündigtem Merkel-Rückzug

Angela Merkel zieht sich von der CDU-Spitze zurück – und die Union legt in der Wählergunst zu, wie eine SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zeigt. Die AfD büßt dagegen deutlich ein.

Angela Merkel wird beim Parteitag im Dezember nicht erneut für das Amt der CDU-Chefin zur Verfügung stehen, nach 2021 will sie sich komplett aus der Politik zurückziehen. Das hat die Kanzlerin vergangenen Montag angekündigt – und damit offenbar Wähler wieder zurück zur Union geholt.

In einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL liegen CDU und CSU nun bei knapp 29 Prozent – ein Plus von etwa zwei Prozentpunkten im Vergleich zu Erhebungen vor der Erklärung Merkels.

Einen Verlierer des angekündigten Rückzugs gibt es demnach auch: die AfD. Die Partei droht mit dem Verzicht Merkels auf den CDU-Vorsitz eine Hauptkontrahentin zu verlieren – was sich offenbar schon in der Umfrage niederschlägt. Die AfD liegt jetzt nur noch bei 13 Prozent – ein Minus von drei Prozentpunkten.

Die SPD ist laut der Umfrage mit gut 15 Prozent nur noch drittstärkste Kraft. Die Grünen liegen mit etwa 19 Prozent deutlich vor den Sozialdemokraten, aber auch noch zehn Prozentpunkte hinter der Union. FDP und Linke liegen mit rund zehn beziehungsweise neun Prozent der potenziellen Wählerstimmen fast gleichauf.

Neben dem Merkel-Rückzug könnte auch die Diskussion über eine drohende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz Wähler abschrecken. Am Freitag war ein internes Gutachten mit Handlungsempfehlungen für die AfD bekannt geworden. Darin hatte ein Gutachter der Partei geraten, auf Begriffe wie „Überfremdung“ und „Umvolkung“ zu verzichten, um einer geheimdienstlichen Beobachtung zu entgehen.

Der Zeitverlauf zeigt, dass sich die Umfragewerte für die Grünen stetig verbessern. Sie hatten zuletzt bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen deutlich zugelegt. Der Trend setzt sich offenbar auf Bundesebene fort. Weniger positiv verläuft die Kurve für die Sozialdemokraten, wobei diese – anders als die AfD – keinen großen Einbruch hinnehmen müssen.

Nach dem angekündigten Merkel-Rückzug bringen sich nun die Kandidaten für ihre Nachfolge an der CDU-Spitze in Stellung. Neben den Gegnern der Kanzlerin, Friedrich Merz und Jens Spahn, will auch ihre Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember beim Parteitag in Hamburg antreten.

Junge Wähler ziehen die potenziellen Merkel-Erben bisher nicht an – im Vergleich zur Vorwoche legte die Union vor allem in den Altersgruppen 50 bis 64 und älter zu. Diese Werte lagen zuvor bei 25 Prozent (50 bis 64 Jahre) beziehungsweise gut 35 Prozent (65 und älter). Die AfD verliert Wähler in allen Altersgruppen, am deutlichsten aber bei den 18- bis 29-Jährigen (minus 4 Prozentpunkte).


Anmerkungen zur Methodik:
Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 29. Oktober bis 5. November 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 10005 Befragte, der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der „Tagesspiegel“, „Cicero“, der „Freitag“ und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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