Mikrokunststoffe wurden in der Scheiße der Menschen gefunden – was bedeutet das?

Der Verdacht, dass Menschen winzige Plastikpartikel konsumieren, wurde bestätigt und spornt zukünftige Arbeiten zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen an.

Überall, wo Wissenschaftler nach ihnen gesucht haben, haben sie winzige Stücke von abgebauten Kunststoffen gefunden – auch jetzt, in der menschlichen Scheiße. Neue Forschungen zeigen, was Wissenschaftler vermutet haben, seit Mikrokunststoffe erstmals in Meeresfrüchten, Salz und abgefülltem Wasser nachgewiesen wurden: Die Menschen essen Plastikpartikel und scheiden zumindest einige von ihnen aus.

Obwohl es sich um eine kleine Studie handelt, die darauf ausgerichtet ist, zu zeigen, dass Mikrokunststoffe in Exkrementen nachgewiesen werden können und dort tatsächlich gefunden werden, wird in zukünftigen Arbeiten nach breiteren Mustern der menschlichen mikroplastischen Exposition und den damit verbundenen potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen gesucht.

Mikrokunststoffe umfassen Fragmente, die kleiner als fünf Millimeter (der Durchmesser eines Reiskorns) sind, die durch den Abbau größerer Ablagerungen, wie z.B. Flaschen, in der Umwelt entstehen. Sie bestehen auch aus Fasern, die von synthetischen Geweben abgelöst werden, und Kunststoffperlen, die einigen Kosmetika zugesetzt werden. Sie sind überall aufgetaucht, vom Meeresboden über den Ackerboden bis hin zur Luft um uns herum – wie auch in den ersten paar Nahrungsmittel- und Getränkeforschern, die es fast sicher fanden, dass Menschen sie aufgenommen haben. Aber bis jetzt gab es keine direkten Proben von Menschen, die zeigten, dass dies geschah.

Hocker schienen „der vielversprechendste Ort, um zum ersten Mal beim Menschen zu sein“, sagt Studienko-Autorin Bettina Liebmann von der Umweltbehörde Österreich. Die Erkennung von Mikrokunststoffen in der Scheiße ist jedoch schwierig. Sie und Philipp Schwabl von der Medizinischen Universität Wien entwickelten wochenlang eine Methode, die die im Stuhl vorhandene organische Substanz abbauen würde, ohne die vorhandenen Mikrokunststoffe zu beeinträchtigen, so dass der Kunststoff aus Proben isoliert werden konnte.

Das Team sammelte Proben von acht Teilnehmern aus ganz Europa und Asien, die angeleitet wurden, wie man die Kontamination durch beispielsweise die kontinuierlich in der Luft schwebenden Fasern – den Fluch vieler Mikrokunststoff-Forscher – minimieren kann. Die Wissenschaftler analysierten die Hocker für Mikrokunststoffe in einer Größe von 50 Mikrometern (fast doppelt so groß wie der Durchmesser einer menschlichen Hautzelle) bis zu fünf Millimetern. „Wir waren sehr erstaunt, dass wir Mikrokunststoffe in jeder einzelnen Probe gefunden haben“, sagt Liebmann. Sie entdeckten auch neun der zehn gebräuchlichen Arten von Kunststoffpolymeren, die sie suchten – insbesondere Polypropylen (z.B. in Flaschenverschlüssen), Polyethylenterephthalat (in Getränkeflaschen) und Polystyrol (in Lebensmittelbehältern). Obwohl sie nicht die genaue Herkunft der einzelnen Partikel ermitteln konnten, bestätigen die Ergebnisse „, dass wir in unserem Alltag von Kunststoffen umgeben sind“, sagt sie.

Die Arbeit, die am 23. Oktober im Rahmen der United European Gastroenterology Week, einem jährlichen Treffen von Spezialisten für Verdauungsgesundheit, in Wien vorgestellt wurde, dient als Ausgangspunkt für weitere Forschungen. Liebmann und Schwabl wollen eine größere Studie mit mehr Teilnehmern starten, um nach Zusammenhängen zwischen den Mengen, Arten und Größen von Kunststoffpartikeln, dem Wohnort, der Ernährung und anderen Lifestyle-Faktoren zu suchen. Sie hoffen auch, nach kleineren Größen von Kunststoff zu suchen – die am ehesten in der Lage sind, in die Darmschleimhaut einzudringen und in den Kreislauf und andere Organe einzudringen, wie es bei anderen nanogroßen, künstlichen Partikeln der Fall ist.

Die neue Forschung deutet darauf hin, dass zumindest einige Mikrokunststoffe (am oberen Ende des Größenbereichs) vom Körper ausgeschieden werden, was Liebmann als „ein gutes Zeichen“ bezeichnet. Es bleibt jedoch unklar, wie sich das, was herauskommt, mit dem vergleicht, was im Körper noch vorhanden sein könnte. „Wir vermissen einfach nur den Bezugsrahmen“, sagt Martin Wagner, Ökotoxikologe an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik, der an der neuen Studie nicht beteiligt war.

In zukünftigen Arbeiten wird auch untersucht werden müssen, welche negativen gesundheitlichen Auswirkungen Mikrokunststoffe auf den Körper haben könnten, sei es durch physische Schäden am Darm oder anderen Organen oder durch die Einführung chemischer Zusatzstoffe von Kunststoffen. Noch wissen die Wissenschaftler nicht, wie sich Mikrokunststoffe in dieser Hinsicht von den anderen unverdaulichen Partikeln unterscheiden könnten, denen der Mensch ausgesetzt ist. „Wir müssen es wissen, ist es wirklich giftig?“ sagt Wagner. „Wir sind blind dafür.“

Aber mit der neuen Arbeit „wissen wir jetzt, wie wir das Problem angehen sollen, und wir haben die Werkzeuge zur Hand“, um die Mikrokunststoffe beim Menschen über die bisher getroffenen Annahmen hinaus zu betrachten, sagt Liebmann. „Jetzt haben wir den Beweis, dass es etwas gibt, das es wert ist, angesehen zu werden.“

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