„Da sitzt ein Meer von grauen Anzügen“

Was sie von der Regierungsbank aus sieht und hört, macht ihr Sorgen: Bundesjustizministerin Barley will mehr Frauen in den Bundestag bringen und fordert eine Änderung des Wahlrechts.

Zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts Bundesjustizministerin drängt Katarina Barley (SPD) auf eine Änderung des Wahlrechts in Deutschland, um den Frauenanteil im Bundestag zu erhöhen. „Von der Regierungsbank aus schaue ich auf die Fraktionen von AfD, FDP und CDU/CSU. Da sitzt ganz oft ein Meer von grauen Anzügen. Der Frauenanteil dort beträgt zwischen 10 bis knapp über 20 Prozent“, sagte Barley der „Bild am Sonntag“. „Ändern wird sich das wohl nur durch ein neues Wahlrecht.“

Barley fordert CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Verhandlungen über eine Wahlrechtsreform auf. Der Justizministerin mache es „echte Sorgen, dass wir gerade Rückschritte“ bei der Gleichberechtigung erleben und der Frauenteil im Bundestag dramatisch auf rund 30 Prozent gesunken sei. Frauen würden in der Politik ungerechter behandelt als Männer. So werde die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles „oft härter und manchmal klar unfairer als ihre männlichen Kollegen“ angegangen, sagte Barley.

Gegenüber weiblichen Abgeordneten gebe es im Parlament Diskriminierung und gezielte Schmähungen aus der AfD-Fraktion: „Wenn Frauen im Bundestag reden, höre ich oft beleidigende Bemerkungen über Stimme oder Aussehen, vor allem aus den Reihen der AfD. Es gibt immer noch Männerbünde, bei denen es zum guten Ton gehört, Frauen runterzumachen.“

Politisch praktisch

Auch die Justizministerin selbst hat mehrfach erlebt, wie ihr Kleidungsstil bewertet wurde: „Natürlich registriere ich, wenn bei mir über die Länge meiner Röcke diskutiert wird.“ Barley betonte, dass sie sich von Kritikern nicht ihre Kleidung vorschreiben lässt: „Wenn man so groß ist wie ich, dann endet der Standardrock über dem Knie. Soll ich jetzt wirklich aufhören, Röcke und Kleider zu tragen? Ich finde, jede Frau muss das anziehen, was ihr gefällt.“

Bundesjustizministerin Katarina Barley, Amtsvorgänger Heiko Maas

Barley trägt gerne Schuhe mit hohem Absatz und setzt die manchmal politisch ein: „Ich selbst mag High Heels. Und manchmal sind die sogar politisch praktisch. Einem schwierigen Gesprächspartner im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe zu begegnen, ist ein guter Anfang.“

Die Ministerin verwies darauf, dass es in Europa unterschiedliche Regelungen für eine Geschlechterparität im Parlament gebe. In Frankreich stünden auf den Kandidatenlisten der Parteien abwechselnd Männer und Frauen. Eine andere Möglichkeit sind laut Barley „größere Wahlkreise mit zwei direkt gewählten Abgeordneten unterschiedlichen Geschlechts“.

Der 12. November gilt als die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Bei einem Festakt im Deutschen Museum in Berlin wird am Montag auch Kanzlerin Angela Merkel eine Rede halten.

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