Bugginger „Tanz-Linde“ von Be beschdigt


Ein kurzer, ohrenbetubender Lrm, und schon krachte ein tonnenschweres Teil des Hauptstamms der Tanz-Linde an der Bugginger Hauptstrae direkt neben Inge Collin in den Garten. Eine heftige Sturmbe am Donnerstagnachmittag gegen 13.45 Uhr lie den Stamm unterhalb der Krone explosionsartig zerbersten. Anschlieend bemhten sich Baumpfleger darum, den brig gebliebenen Teil des 170 Jahre alten Naturdenkmals wieder zu einem Baum zu formen.

Die Linde hatte in ihren vielen Lebensjahren so manchen Sturm und manche Schneelast ertragen. Auch dem Bau der Strae und der Konstruktion der Grundstcks- und Bschungsmauern trotzte sie mit ihrem kontinuierlichen Wachstum, ohne sichtbare Schden zu zeigen. Nur das Alter, die Mchtigkeit des Baums und die Kernfule im Innern des Stammes lieen die Baumexperten immer wieder ttig werden. So wurden im Laufe der vergangenen Jahre Kronenanker zur Stabilisierung montiert und regelmige Astschnitte ausgefhrt, um die Verkehrssicherheit zu gewhrleisten.

Jetzt wurden die Anwohner Zeuge eines Naturschauspiels, das um ein Haar fr die Grundstckseigentmer bse geendet htte. „Einen Moment zuvor war mein Mann ins Haus gegangen. Dann hrte ich ein ohrenbetubendes Krachen, und schon schlug ein Teil des Stamms neben mir ein“, erzhlt Inge Collin noch unter dem Eindruck des Erlebten am Donnerstagnachmittag. Obwohl sie es nicht direkt aussprach, wurde deutlich, wie gefhrlich dieses Naturereignis fr sie und ihren Mann Lutz htte werden knnen. Vielleicht verhinderten die Baumanker auch Schlimmeres. In ihnen verfing sich der Hauptteil des abgebrochenen Stamms und blieb noch im Gest hngen. Deshalb ging das Ganze am Ende glcklicherweise glimpflich aus: Lediglich ein paar Blumen und Blumentpfe wurden beschdigt, wie Inge Collin bisher feststellen konnte.

Auch Manfred Schnabel, ein direkter Nachbar, nahm die heftige Sturmbe wahr und hrte das angsteinflende Krachen als das Stammteil abbrach. Nachdem sich Inge Collin von ihrem ersten Schreck erholt hatte, alarmierte das Ehepaar die Feuerwehr und die Baumspezialisten der Firma Pfefferer, die den Baum bisher betreut hat.

Der Kontrolltermin am 15. August: mit einem Mal berflssig

Vor Ort sperrte die Feuerwehr die Strae und wartete das Eintreffen der Baumpfleger ab. Drei Stunden lang beseitigten die Baumkletterer dann weiteres Bruchholz und sicherten den restlichen Baum. „Der ursprngliche Kontrolltermin am 15. August ist damit hinfllig“, so einer der Baumpfleger. An diesem Termin sollten der Zustand beurteilt und die Verkehrssicherheit durch Korrekturschnitte sichergestellt werden.

Mit einem Mobilkran wurde am Freitag der abgebrochene Reststamm aus dem Baum gehievt. Am Boden war zu sehen, dass der Kern des Stamms hohl war. Rundherum war das Stammholz aber weitgehend intakt. Damit wird deutlich, mit welcher extremen Kraft die Sturmbe daran gerissen hatte. Stundenlang waren die Baumpfleger anschlieend damit beschftigt, aus dem Restbestand wieder einen ansehnlichen Baum mit einer Krone zu formen.

Die alte Linde hat schon viel erlebt

Bis zu diesem Schadensereignis hat die Linde Einiges erlebt. Im Volksmund bei den alten Buggingern ist der Baum als Tanz-Linde bekannt. Sie gehrte ursprnglich zum benachbarten Gasthaus Krone, das frher den Mittelpunkt des Dorfes bildete. „In diesem Gasthof wurden damals Feste gefeiert und auch Gemeindeversammlungen abgehalten“, erzhlt Wolfgang Schmidt, der Nachbar von gegenber. berhaupt birgt die Linde eine Vielzahl von Geschichten in sich. Schmidt erinnert sich, dass 1947 sogar ein Blitz eingeschlagen war. Das steckte der Baum offenbar weitgehend gut weg – 70 Jahre lang wuchs er weiter. Wolfgang Schmidt erinnert sich auch an ein Gartenhuschen, das damals unter dem Baum gestanden hatte. Vor dem Baum stand ein altes Holzhaus, das nach dem Krieg abgerissen wurde.

Die Linde ist fr viele Tiere idealer Lebensraum. Fledermuse leben in der Stammhhle, Eulen sitzen darauf, und der seltene Wiedehopf war lange ein Bewohner des Baums. Bienen und Hornissen whlen den Baum als Behausung und Nahrungsquelle. Es herrscht also ein reges Treiben in dem ehrwrdigen Baum, der seit vielen Jahren als Naturdenkmal registriert ist und durchaus prgend auf diesen Teil des Ortes wirkte. Mancher Anwohner sicherte sich nun vom Bruchholz ein Stck zur Erinnerung, ein anderer wollte ein kleines Stck zum Schnitzen, schlielich gilt die Linde als ideales Schnitzholz.

Schon vor ein paar Jahren haben Wolfgang Schmidt und seine Frau Marliese Schmidt-Nubaum einen Smling der Tanz-Linde in ihrem Garten ausgepflanzt und mittlerweile zu einem kleinen Stmmchen herangezogen. Mit Blick auf das maltrtierte Naturdenkmal sagt Wolfgang Schmidt: „Das ist ein Baum, der wirklich viel Geschichte auf dem Buckel hat.“ Immerhin: Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben.

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