Kia Ceed SW – Kombi gegen Variant und Co

Während Kia bei der Vorstellung des neuen Ceed Fünftürer noch die jungen Dynamiker bezirzen wollte, setzen die Koreaner beim Kombi klar auf den Nutzwert. Und den hat er zweifelsohne. Auch in anderen Details gibt er sich zeitgemäß.

Der neu Kia Ceed hat bereits viel Lob bekommen. Eine der großen deutschen Autozeitungen sieht ihn bei ihren Vergleichstests sogar vor Golf, Astra und Focus, in einer anderen fährt er zumindest hinter dem VW Golf auf Platz zwei. Und auch auf n-tv.de hat der Fünftürer bei einer ersten Ausfahrt keine schlechte Figur gemacht. Wie dem auch sei, der Ceed ist im C-Segment ganz oben angekommen und darf jetzt in der Auto-Bundesliga spielen. Und weil man, wenn man dort ist, nicht nur mit einem Modell unterwegs ist, gibt es den Ceed natürlich auch als SW, also als Kombi. Eben jener Gattung Fahrzeug, die die deutschen Autofahrer einst lieber mochten als die SUV.

Benziner oder Diesel?

Insgesamt stehen, wie beim Fünftürer, auch für den Kombi fünf Motoren zur Wahl. Wobei der Autor die für das hiesige Publikum die vermutlich Interessantesten unter die Füße genommen hat. Die Rede ist vom 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS und dem 1,6 Liter Diesel, der in der stärkeren Ausführung 136 Pferden freien Lauf lässt. Ja, auch Kia setzt weiter auf den Selbstzünder, obgleich die Koreaner mit dem Niro entsprechende Elektrovarianten im Programm haben. Doch zurück zu den Verbrennern, die den Kombi in althergebrachter Weise durch Stadt und Land bringen. Für den Privatkunden mit weniger Strecke dürfte der 1.4 T-GDI die richtige Wahl sein. Das Triebwerk gibt sich erwartungsgemäß kultiviert bei der Arbeitsverrichtung und wer will, der kann bei 242 Newtonmeter maximalem Drehmoment die Vorderräder beim Ampelstart schon mal über den Asphalt rubbeln lassen. Damit das aber halbwegs sportlich wirkt, muss allerdings das ESP ausgeschaltet werden. Aber selbst dann wird sich der Gummi der Pneus nicht in den Asphalt brennen. Besser ist es also, sanft zu beschleunigen und in 9,4 Sekunden über die 100 km/h-Marke zu springen.

Wenn der Benziner nur das Leergewicht von knapp 1,4 Tonnen zu bewältigen hat, dann sollte auch das Spitzentempo von 210 km/h kein Problem sein. Wer 2000 Euro extra hat, der muss sich bei beiden hier gefahrenen Varianten für das 7-Gang-DCG, also das Automatikgetriebe, entscheiden. Nicht weil der Handschalter schlecht ist, nein, der flutscht ganz lässig durch die Gassen. Der Automat hat aber nicht nur den Vorteil, dass er sehr sauber arbeitet, sondern nur an ihn lässt sich der adaptive Abstandstempomat mit Stau- und Spurhalteassistent koppeln.

Utopie und Realität

Doch zurück zu den Motoren. Der zweite im Test war der 1,6 Liter Diesel mit besagten 136 PS und 280 – mit DCT 320 Newtonmeter – maximalem Drehmoment. Der Selbstzünder lässt akustisch keine Fragen aufkommen, wie er seine Arbeit verrichtet. Er grummelt leise, aber hörbar vor sich hin, wird beim Leistungsabruf etwas lauter, quält die Insassen aber nicht mit Unmutsäußerungen über die ihm durchs Gaspedal verordneten Aufgaben. Am Selbstzünder erfreut gerade in Kombination mit dem Automaten der kraftvollere Antritt an der Kreuzung, obgleich der Sprint auf Landstraßentempo doch zwei Sekunden länger dauert als beim Benziner.

Auch in der Endgeschwindigkeit bleibt der Selbstzünder 10 km/h hinter dem Benziner zurück. Am Ende überzeugt er vor allem durch seinen Verbrauch. Nein, die im Datenblatt angegebenen Werte von im Schnitt 4,3 bis 3,9 Liter über 100 Kilometer sind blanke Utopie. Aber die erfahrenen 5,4 Liter sind im Vergleich mit dem 1.4 T-GDI, der 7,2 Liter über die Testdistanz verlangte, schon eine Ansage. Angegeben ist beim Benziner ein Verbrauch von kombiniert maximal 5,7 Liter. Ermittelt wurden die Datenblattwerte übrigens nach dem neu eingeführten Prüfverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure). Und noch was: Während der Diesel 111 Gramm CO2 über 100 Kilometer ausstößt, bläst der Benziner zwischen 125 und 135 Gramm über die gleiche Distanz in die Luft. Nur der Vollständigkeit halber: Alle Kia Motoren erfüllen die Euro 6d-temp-Norm.

Sicherer ums Eck

Lassen wir die Motoren ihre Arbeit verrichten und werfen einen Blick auf das Fahrwerk und die Lenkung. Der Ceed SW fährt im C-Segment und so ist nicht zu erwarten, dass man wie in einem Luftkissenboot über die Arglistigkeiten der Straße bügelt. Das Konzept der Radaufhängung – MacPherson-Federbeine vorn, Mehrlenkerachse mit Stabilisatoren hinten – ist gegenüber der zweiten Modell­generation unverändert geblieben. Dafür hat der SW wie sein fünftüriger Bruder bei der Fahrdynamik zugelegt. Wie beim Hatchback wurde die Federrate an der Vorderradaufhängung um 40 Prozent erhöht und die Verwindungssteifigkeit des Stabilisators um 22 Prozent reduziert. Das Ergebnis ist eine bessere Straßenlage, weniger Untersteuern in der Kurve und damit mehr Grip. Die Hinterradaufhängung wurde bei der Kombiversion noch einmal leicht modifiziert, um dem längeren Hecküberhang Rechnung zu tragen. Aber es gilt: der Ceed ist auch als Kombi keine Sportmaschine. Wer auf Zuladung und Dynamik Wert legt, muss auf den Shootingbrake warten. Der kommt nur mit den leistungsstärkeren Motoren auf den Markt und sollte ausschließlich in der GT-Ausführung schon etwas mehr Performance bieten.

Der SW hingegen bleibt denen ein guter Freund, die auf der Suche nach Platz sind. Das Gepäckabteil fasst jetzt 625 Liter – im Vorgänger waren es lediglich 528 Liter und im zu erwartenden Shootingbrake sind es 595 Liter. Wer die dreigeteilte Rücksitzlehne plan macht, kann auf einen Stauraum von 1694 Liter zugreifen. Dank der neuen Plattform haben auch die Passagiere im Ceed SW Schulter-, Knie- und Beinfreiheit gewonnen. Um den Kofferraum zu befüllen, öffnet die Heckklappe bei entsprechender Wahl natürlich elektrisch. Aber anders als bei anderen Herstellern muss der mit einer 20 Kilogramm schweren Kiste beschwerte Besitzer nicht den Parkplatz-Clown machen und mit einem Bein wie wild unter dem Stoßfänger wedeln. Es reicht, wenn er sich mit dem Schlüssel in der Tasche hinter das Auto stellt und vier Sekunden wartet. Dann öffnet ausschließlich die Kofferraumklappe. Schließt er sie und geht, verriegelt der Wagen selbständig.

Einsteigen ab 17.000 Euro

Zu den optionalen Innovationen im Ceed SW gehören auch der Parkassitent, der den 4,60 Meter langen Kombi selbständig in Längs- und Quer-Parklücken manövriert, LED-Scheinwerfer, Audio- und Navigationssysteme mit Smartphone-Schnittstellen für Apple- und Android-Geräte, eine induktive Ladestation und elektrisch verstellbare Ledersitze mit Memory-Funktion und Sitzventilation. Wer sich dazu hinreißen lässt, wirklich alles in den Ceed SW zu packen, was die Optionsliste hergibt, der landet mit dem 1,4-Liter-Turbobenziner bei 34.290 Euro. Für den 1,6 Liter Diesel werden dann 36.190 Euro fällig. Der Einstig erfolgt jeweils bei 23.090 oder 22.490 Euro. Tatsächlich ist der Selbstzünder in der puren Variante billiger als der Benziner. Wer die absolute Minimalvariante sucht, bekommt für 16.990 Euro den Kombi mit überarbeiteten 1,4-Liter-Saugmotor und 100 PS. Natürlich gibt es auch für den Ceed SW die üblichen sieben Jahre Garantie von Kia.

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